Waagemut

Wiegeaktion bei Cavallo

Das eigene Gewicht kennt man wie seinen Kontostand. Sein Pferd dagegen schätzte beim Test jeder falsch. Die Folge: Wurmkuren werden falsch dosiert.

Das Morgen-Grauen hat fünf Buchstaben und nennt sich Waage. Die Zahl, die sie zeigt, ist grundsätzlich viel zu hoch, weshalb man zwei Minuten intensiv über eine Diät nachdenkt. Am nächsten Morgen beginnt das Spiel von vorne. Fast jeder kennt sein Gewicht peinlich genau, verschleiert es aber kokett: "Ach, so um die 60 Jilo, ich war schon ewig nicht mehr auf der Waage", heißt es dann bei 70,1 Kilo. Eine kleine, harmlose Eitelkeit, die jedem gegönnt sei.

Bei Pferden ist das anders. Ihr Gewicht ist ihnen egal, leider auch ihren Besitz-ern. Wenn überhaupt schätzen sie eben lässig - und handeln damit fatal nach-lässig, weil die Wirkung von Wurmkuren, Medikamenten oder Futterrationen mit der exakten Dosierung steht und fällt. Die richtet sich immer nach derm Körper-gewicht des Pferdes.

Ein Probewiegen an 76 Pferden vom Isländer bis zum Warmblut zeigt: Pferdebesitzer verschätzen sich bis zu 200 Kilo, dosieren folglich Arzneien falsch. Selbst Tierärzte sind nicht vor Fehlschätzungen gefeit. Ein weiteres Ergebnis, das CAVALLO beim Probe-wiegen fand. Die häufig verwendete Gewichtsformel "Brustumfang * Brust-umfang * Körperlänge geteilt durch 11900" ist ebenfalls nicht zuverlässig, sondern liefert um bis zu 60 Kilo nach oben oder unten abweichende Werte.

Weitere überraschende Erkenntnisse betreffen die Pferderasse. Haflinger sind oft schwerer als Freisen und Warmblüter überraschend leicht, und so manches mager oder fett wirkende Pferd wiegt deutlich mehr oder weniger als sein Anblick vermuten läßt. Selbst der viel-fach gebrauchte BCS mit dem man beur-teilt, ob ein Pferd zu mager oder zu fett ist, sagt noch nichts über das Gesamt-gewicht eines Pferdes.

"Die meisten kennen das Pferdegewicht nicht, weil Waagen, anders als Führan-lagen oder Laufbänder, weder zur Stall- noch zur Klinikaustattung gehören", sagt Manfred Müller, 40. Der Kaufmann aus dem schwäbischen Jagstzell entwickelte deshalb zusammen mit dem Knabstrupper-Züchter Klaus Scharfenecker, 43, und dem Informatiker Philipp Fauser, 27, in zweijähriger Tüftelei eine Pferdewaage, die sich in jedem Stall und in fast jedem Gelände rukzuck aufbauen läßt.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 01/2002 des Magazins "Cavallo"

Textauszug aus der Zeitschrift "Cavallo"
Bilder von "Der mobilen Pferdewaage"

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Werden Wurmkuren zu hoch dosiert, wird dadurch der Pferdeorganismus unnötig stark mit Chemie belastet. Dies kann zu Koliken und im schlimmsten Fall zum Tod führen.

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