Die wilde 13

Reiten macht schlank, aber nur das Pferd. Stimmt dieser Uralt-Spruch auch schon, wenn man nur einen einzigen anstrengenden Ritt hinter sich bringt? Manche Reiter meinen schließlich, danach beim Pferd straffere Muskeln und hochgezogene Flanken zu sehen. Ob das nur Einbildung oder Wirklichkeit ist, prüfte Cavallo in Zusammenarbeit mit der mobilen Pferdewaage bei der Aktion "Die wilde 13".

Distanzritt

13 Pferde und 13 Reiter wurden zweieinhalb Stunden lang auf einen flotten Geländeritt geschickt. Vorher und nachher nahmen die Pferde Platz auf der mobilen Pferdewaage von Ingrid und Manfred Müller aus Jagstzell und wurden zusätzlich mit Hilfe des Body Condition Score (BCS) beurteilt, der den Figur-Typ anhand des Fettanteils unter der Haut bestimmt.

Die Ausgangssituation der 13 Pferde war ganz verschieden. Der Schlankste war der Größte; Warmblut Lou Bega hatte bei 1,78 Meter Stockmaß einen BCS von 4,5 und wog vor dem Ritt 672 Kilogramm. Den BCS von 4,5 hatte auch Andalusiermix Allegra - bei 1,50 Meter Größe und 439 Kilo Gewicht. Für Reitpferde liegt das Idealmaß der BCS-Methode bei 5. Note 4 steht für schlank.

Die dicksten waren die Haflinger Nelke (BCS 6,8; 544 Kilogramm; 1,50 Meter Stockmaß) und Sultan (1,45 Meter; 456 Kilo; BCS 6,7). "Bei Haflingern oder barocken Rassen gilt 6 als idealer BCS" sagt Müller großzügig. Note 6 steht für rundlich, 7 für dick.

Alle 13 Reiter machten sich nach dem Wiegen zusammen auf den Weg, bergauf und bergab etwa 17 Kilometer durch den Wald bei Stuttgart. Vorgabe: flott, aber kontrolliert. Lagos trabte trotzdem mit Riesentritten und regte sich erst ab, als seine Reiterin an die Spitze ging.

Die körperliche Anstrengung bestand aus vielen Trabstrecken und einer etwa zwei Kilometer langen Galoppstrecke. An den Nerven zehrten Autobahnunterführungen, Eisenbahnbrücken, Straßenüberquerungen und vor allem die für manche ungewohnte Gruppengröße.

"Mit so vielen Pferden reite ich auf Kronprinz zum erstenmal aus", sagt Bettina Bauer. Ihr Warmblutschimmel ist körperlich durchtrainiert und als ehemaligers Springpferd sehr gut geritten. Aber wenn 52 Hufe auf feingeschottertem Waldweg trampeln und 26 Nasenlöcher prusten, wird sogar der wohlerzogene Kronprinz lustig.

Andalusiermix Allegra schießt schon beim Start fast in die Höhe. "Ganz normal für sie", grinst Sarah Sondermann, die die Strecke als anstrengend einstufte. Erwin Schmidt dagegen geht fast täglich mit Wallach Marinetti ins Gelände: "Deshalb ist er auch so ausgeglichen."

BCS Bewertung am Pferd

Ferrero dreht dagegen auf wie ein Ferrari.Das Springpferd wird seltener ins Gelände geritten und will schneller als die anderen zwölf. Helena Ziegler läßt sich nicht beeindrucken. "Ferrero ist zwar aufgeregt, aber die Strecke selbst strengt ihn wenig an."

17 Kilometer und zweieinhalb Stunden später kommen die 13 Paare zurück. Die Pferde sind mindestens unter der Satteldecke naß, wandern sofort auf die Waage und verblüffen alle: Sie wiegen zwischen zwölf und 24 Kilogramm weniger; prozentual umgerechnet auf das jeweilige Köpergewicht sind das zwischen 2,26 Prozent und 4,05 Prozent. "Mit so hohem Gewichtsverlust hätten wir nicht gerechnet", staunt selbst das Pferdewaage-Team.

"Wenn wir das mit dem Lauf eines 75 Kilo schweren Joggers vergleichen, so hätte er nach seinem Waldlauf im günstigsten Fall von 2,26 Prozent 1,7 Kilo verloren, im heftigsten Fall 3,03 Kilo", vergleicht Müller.

Vier Pferde verloren relativ wenig Gewicht: Marinetti (2,26 Prozent), Wipe out (2,37 Prozent), Lou Bega (2,38 Prozent) und Picobello (2,55 Prozent). Marinetti und Picobello sind wohl körperlich sehr fit und außerdem sehr nervenstark", vermutet Müller. Beide sind tatsächlich erfahrene und trainierte Geländepferde.

"Trotzdem kann man nicht vom Gewichtsverlust direkt auf den Trainingszustand rückschließen, da die Aufregung eine große Rolle spielt", erklärt Professor Ellen Kienzle vom Lehrstuhl für Tierernährung an der Universität München. "Ein trainiertes, dünnes Pferd kann allein durch Schwitzen mehr Gewicht verlieren als ein untrainiertes, weil es leistungsbereiter ist und sich aufregt. Ein dickes nimmt vielleicht mehr ab, weil es bei Hitze mehr schwitzt."

Tatsächlich schwitzten die molligen Haflinger in der schwülen Wärme am Meßtag sehr und hatten im Ziel etwa drei Prozent Gewicht weniger als am Start. "Wasserverlust passiert aber nicht nur über Schweiß sondern auch über Atmung, Kot und eventuell Harn", erklärt Dr. Arno Lindner, Leiter der Arbeitsgruppe Pferd an der Universität Bonn. Ein Haufen Pferdeäpfel wiegt zwischen zwei und sechs Kilo. Nervöse Pferde äpfeln und schwitzen viel, was Lagos (3,95 Prozent Verlust) und Ferrero (4,05 Prozent), beide sehr aufgeregt, bestätigten.

"Streß kann tatsächlich Gewicht kosten, es gibt aber kaum Daten aus der Wissenschaft", bedauert Ellen Kienzle, die 2 bis 3 Prozent Gewichtsverlust normal findet. "Kritisch für die Gesundheit wird es ab 10 Prozent. Dann kommt es auf die Reserven an, die im Dickdarm lagern. Die sind umso größer, je mehr Heu gefüttert wird. Das ist wichtig, weil es mehr Wasser und Elektrolyte im Dickdarm schafft. Vor allem Ausdauerpferde brauchen das", sagt Ellen Kienzle.

"Wenn die Pferde saufen sind drei oder auch vier Kilo ruckzuck wieder drin", glaubt Lindner. Ein 500-Kilo-Pferd trinkt an heißen Tagen bis zu 40 oder 50 Liter Wasser, das sind 40 oder 50 Kilo.

Einige Pferde waren nach dem Ritt wirklich an einigen Stellen schlanker, wie der BCS ergab. "Aber es hat den Gesamt-BCS kaum verändert", sagt Müller. "Es wäre der Hammer, wenn wir nach einem Ritt schon massiven Fettabbau messen könnten."

"Die Figurveränderung hat ebenso wie die reduzierten Kilos weniger mit Fettverbrennung zu tun, sondern mit Wasserverlusten unter der Haut oder Veränderungen am Muskeltonus", so Ellen Kienzle und zerstört die Hoffnung auf eine knackige Kruppe binnen zweieinhalb Stunden.

Müllers österreichischer Wiegepartner Roland Kern wog Ende Mai bei der Staatsmeisterschaft in St. Valentin die Pferde beim Distanzritt. Zwei Pferde hatten bei Kilometer 60 genau wie bei der "Wilden 13" etwa 3 Prozent Gewichtsverlust. Ein Pferd wog nach 120 Kilometern nur 2,63 Prozent weniger als beim Start. Die meisten Teilnehmer verloren 5 bis 8 Prozent. "Bei einer Pferdemesse in Leibzig wog ich ein Shire-Horse, das binnen 24 Stunden von 760 Kilogramm auf 700 Kilo runterkam. Nur durch Streß", erzählt Müller.

Da sind regelmäßige Waldritte gesünder. "Zweimal pro Woche ein großer, flotter Ausritt", rät Ellen Kienzle. "Dabei werden die Dicken wenigstens ein bißchen schlanker."
Cornelia Höchstetter

Texte und Bild aus der Zeitschrift "Cavallo"
Aus der Ausgabe 07/2005 des Magazin CAVALLO, jetzt am Kiosk.
Bilder: "Cavallo" und "Die mobile Pferdewaage"

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